Klausurtagung in Gernrode – der Gemeindekirchenrat bereitete die anstehenden Wahlen vor

Das Jahr 2025 ist wirk­lich ein Super­wahl­jahr – nicht nur wegen der schon zurück­liegenden Bundestagswahl, deren Ergeb­nisse viele von uns in große Sorge versetzt haben. Zwis­chen dem 20. September und dem 5. Oktober 2025 finden in allen Gemeinden der Evan­ge­lis­chen Kirche Mitteldeutsch­lands (EKM) die näch­sten Wahlen zum Gemein­dekirchenrat (GKR) statt – also auch in unserer Chris­tus­ge­meinde. Diese Wahl und ihre Vorbere­itung standen dann auch im Zentrum der diesjährigen Klausurta­gung des amtierenden GKR, die vom 21. auf den 23. Februar erneut in der Tagungs- und Begeg­nungsstätte St. Cyri­akus der Anhaltischen Landeskirche im nahegele­genen Gern­rode stat­tfinden durfte.

Bevor allerd­ings der Blick auf die neue Wahlpe­riode gerichtet werden konnte, begann das Woch­enende mit einem Rück­blick auf die Arbeit des GKR während der vergan­genen fünf Jahre. Nach einer kurzen Andacht zu den verschiedenen Konno­ta­tionen des Begriffs „Rückschau“ durch Gemein­de­päd­a­gogin Mirjam Rein­both, eröffnete unser neuer Pfarrer Matthias Zentner die Diskus­sion über die Erfolge und Misser­folge der letzten Wahlpe­riode. In konzen­tri­erter Grup­pe­nar­beit wurde dann aber doch nicht nur in die Vergan­gen­heit, sondern auch auf die Zukunft geschaut und darüber gesprochen, welche wichtigen Aufgaben auf den neuen GKR zukommen werden.

Das größte Vorhaben, das in der näch­sten Wahlpe­riode zu bewältigen ist, ist der Abschluss unseres sich seit vielen Jahren in Planung befind­lichen Projekts „Kirche unter einem Dach“. Nachdem die alte Francke-Schule neben dem Hasseröder Pfar­rhaus bereits erfol­greich verkauft werden konnte, das Schierker Pfar­rhaus derzeit zum Verkauf steht und der Betrieb der Christus-Kita in der alten Konko­r­di­enkirche erfol­greich an das Diakonische Werk Halber­stadt über­tragen wurde, sollen in den kommenden Jahren alle Funk­tion­sräume des Pfar­rhauses auf und unter die Seit­en­em­poren der Chris­tuskirche umziehen – mit dem finalen Ziel einer dauer­haft „offenen Kirche“ sowie der Aufgabe des Hasseröder Pfar­rhauses, um unsere – wie fast alle Gemeinden in der EKM – leider schrumpfende Gemeinde mit weniger Gebäuden und modernen Multi­funk­tion­sräumen für die näch­sten Jahrzehnte attraktiv und zukun­fts­fest zu machen.

Der von GKR-Mitglied und Baubeauf­tragtem Klaus-Peter Schweiger gehal­tene Vortrag zu den aktuellen Umbau­vorschlägen der Wernigeröder Architektin Margit Hotten­rott war dabei für alle Beteiligten eine große Hilfe. Neben dem Bauvorhaben wurden auch der Gemein­deauf- und ‑ausbau, die Gewin­nung neuer Mitstre­iter für GKR und Kirchen­di­enst und der Ausbau der Zusam­me­nar­beit mit der Neuen Evan­ge­lis­chen Gemeinde und den anderen Gemeinden in und um Wernigerode als wesentliche Heraus­forderungen für die nächste Wahlpe­riode iden­ti­fiziert. Zusammen mit dem erst in der letzten Sitzung neu berufenen GKR-Mitglied Johannes Schenk nahmen erst­mals auch die Gemein­de­sekretärin Birgit Tanzen und die Gemein­de­päd­a­gogin Mirjam Rein­both an einer Klausurta­gung teil. Unsere erkrankte Küsterin Chris­tiane Otten­berg und ihre uner­müdliche Tatkraft wurden dagegen schmer­zlich vermisst.

Wie eingangs erwähnt, wurden auch zur anste­henden GKR-Wahl zahlre­iche Entschei­dungen getroffen. Die Wahl wird in Form einer Briefwahl stat­tfinden, die am 28. September endet. An diesem Tag wird es auch noch die Möglichkeit geben, im Anschluss an den Erntedank-Gottes­di­enst in der Chris­tuskirche den Wahlzettel persön­lich in die Urne zu werfen. Der neue Gemein­dekirchenrat wird sieben Plätze und drei Stel­lvertreter­plätze haben und damit Platz für zehn engagierte Mitstre­i­t­erinnen und Mitstre­iter bieten, die unsere Gemeinde in den kommenden Jahren voran­bringen wollen. Zur Kandi­date­nauf­stel­lung wird es demnächst auf der Webseite und im Gemein­de­brief weitere Infor­ma­tionen geben – wer sich gerne selbst zur Wahl stellen möchte, ist jetzt schon herzlich aufge­fordert, sich bei unserer Gemein­de­sekretärin Birgit Tanzen oder unserem Pfarrer Matthias Zentner zu melden.

Trotz vieler Diskus­sionen und zu tref­fenden Entschei­dungen blieb an diesem Woch­enende aber auch noch Zeit für die gemein­same Besin­nung. Im Rahmen einer faszinierenden Kirchen­führung konnten die GKR-Mitglieder nicht nur die prächtige Stift­skirche St. Cyri­akus bestaunen, sondern durften auch einen Blick in die Nach­bil­dung des Heiligen Grabes von Jerusalem im östlichen Seit­en­schiff werfen, das mit einem Alter von beinahe 1.000 Jahren als die älteste erhalten gebliebene Nach­bil­dung in Deutsch­land gilt. Am Sonntag­morgen konnte die Gruppe zudem am von Pfarrer Andreas Müller gehal­tenen Gottes­di­enst der Cyri­akus­ge­meinde teil­nehmen, in dem es – wie am Wahlson­ntag auch nicht anders zu erwarten – aufbauend auf der Geschichte der griechis­chen Purpurhänd­lerin Lydia und ihrer Entschei­dung für das Chris­tentum (Apg 16,14–15) um die Bedeu­tung der freien Wahl ging.

„Und eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhänd­lerin aus der Stadt Thyatira, eine Gottes­fürchtige, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.“

Apos­telgeschichte 16,14–15
Die Taufe der Lydia, Gemälde von Marie Ellen­rieder (1861), Alte Nation­al­ga­lerie Berlin
(Quelle:
Wiki­media, Lizenz: gemeinfrei).

Text und Fotos: Chris­tian Reinboth