Mehr als 500 Jahre vor der Gründung unserer Christusgemeinde wurde nahe des — damals noch selbständigen — Ortes Hasserode der Grundstein für ein Augustiner-Eremitenkloster gelegt, das fast 300 Jahre Bestand haben, während des Bauernkriegs verwüstet und kurz danach aufgegeben werden sollte. Am ehemaligen Standort dieses Klosters Himmelpforte (Porta coeli) findet man heute — gut zehn Minuten Fußweg von der Hasseröder “Insel” und der “Papierfabrik” der Hochschule Harz entfernt — nur noch ein paar Mauerreste, eine Infotafel für Wanderer und eine grüne Wiese. Wie zwei umfangreiche archäologische Ausgrabungen in den letzten beiden Jahren zeigen konnten, sind unter dieser Wiese jedoch noch große Teile der Grundmauern des Klosters erhalten.
Und mehr noch: Pilgerzeichen, Schreibgriffel, Ringe, Messer, Löffel und sogar wertvolle Goldmünzen konnten vom Grabungsteam um Prof. Dr. Felix Biermann zu Tage gefördert werden. Viele dieser Fundstücke lassen sich seit dem 14. März in der von Alexandra Runschke kuratierten Ausstellung “Zwischen Himmel und Revolte” besichtigen, die noch bis zum 10. August im Harzmuseum Wernigerode besucht werden kann. Neben der Geschichte des Klosters thematisiert die Ausstellung auch den Verlauf des Bauernkriegs im Harz, dessen blutiges Ende sich in diesem Jahr zum 500. Mal jährt, weshalb “Zwischen Himmel und Revolte” auch Teil der Landesausstellung “Gerechtigkeyt 1525” ist. In einem weiteren Ausstellugsraum werden außerdem Gemälde und Zeichnungen von Wernigeröder Kirchen gezeigt — darunter auch von unserer zweiten Konkordienkirche (dem heutigen Christuskindergarten) und sogar von der schon lange verschwundenen ersten Konkordienkirche, die bis 1847 dort stand, wo sich heute das Pfarrhaus unserer Gemeinde befindet.
Der Besuch der Ausstellung lohnt sich aber nicht nur für Heimatforscher, sondern mag durchaus auch der Reflexion darüber dienen, wie hier in Wernigerode über viele Jahrhunderte der christliche Glauben von Menschen gelebt wurde. Menschen, die täglich früh am Morgen aufstanden, um gemeinsam im Kreuzgang zu beten. Die jeden Sonntag nach Wernigerode kamen, um dort in den Kirchen Gottes Wort zu predigen. Die selbst andächtig den Predigten des bekannten Augustiner-Theologen Andreas Proles gelauscht haben durften, der mehrere Jahre als Prior des Klosters fungierte. Die Martin Luther kennenlernen durften, als er im Jahr 1516 — weniger als ein Jahr vor dem Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg — die Himmelpforte besuchte. Die Not, Gewalt und Leid des Bauernkrieges erleben und schließlich selbst vor diesem flüchten mussten. All das hat sich nur ein paar Gehminuten von unserer Christuskirche entfernt genau dort abgespielt, wo wir heute jedes Jahr — einer alten Wernigeröder Gemeindetradition folgend — gemeinsam den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt feiern.
Es gibt also mehr als genügend Gründe, das Harzmuseum wieder einmal zu besuchen — und beim nächsten Spaziergang oder Gottesdienst an der Himmelpforte mit ganz anderem Gefühl über den Rasen zu schreiten. Im Sommer soll außerdem ein drittes und letztes Mal an der Himmelpforte gegraben werden — und wie schon in den Vorjahren, kann man sich auch dieses Jahr wieder als Freiwilliger melden. Es lohnt sich! Auch als Gemeinde wird uns der Bauernkrieg in diesem Jahr übrigens noch mehrfach beschäftigen — unter anderem im Rahmen der Gemeindefahrt, die uns zum Monumentalgemälde der Schlacht bei Bad Frankenhausen führen wird.
Text: Christian Reinboth